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Peltzer, Otto

∗ 8. März 1900 Gut Ellernbrook in Drage
† 11. August 1970 in Eutin

auch „Otto der Seltsame“ genannt, war ein deutscher Leichtathlet (15 mal Deutscher Meister, Weltrekorde als Mittelstreckenläufer, 2Olympia-Teilnahmen), Journalist, Lehrer und Trainer. Die Freie Schulgemeinde Wickersdorf (FSG) holte ihn 1926 in das Thüringer Schiefergebirge 13 km südlich von Saalfeld, um dort als Pädagoge und Trainer zu wirken. Er trainierte sich und die Schüler der FSG und unterrichtete bis 1933 in den Fächern Biologie, Geschichte, Geografie und Sport. Otto Peltzer wurde Gastmitglied im VfL 06 und trainierte selbst und mit seinen Schülern im Stadion Saalewiesen, das gute Bedingungen bot für die Leichtathletik.

 

So erhielt auch die Saalfelder Leichtathletik, insbesondere die 1923 gegründete Abteilung des VfL 06, viele Impulse vom Weltrekordläufer Dr. Otto Peltzer. Peltzer baute in Wickersdorf eine schlagkräftige Jugend-Leichtathletik auf. Oft trainierte er im "Saalewiesen-Stadion" in Saalfeld und nahm an Sportfesten im Thüringer Raum teil. Nach seinen Siegen über die Olympiasieger Paavo Nurmi und Douglas Lowe im Jahre 1926 kam ihm in Saalfeld und Wickersdorf ein begeisternder Empfang zuteil. (1) Nach Informationen eines Zeitzeugen besuchte Peltzer noch einmal in den 1950er Jahren Saalfeld, wo ihm ein Empfang in der Saalfelder Gaststätte „Das Loch“ bereitet wurde.

 

Als Sportler durchlebte Otto Peltzer eine außergewöhnliche Karriere, die als an Kinderlähmung erkrankter Knabe beinahe wundersam begann. Vor allem aber ging Otto Peltzer als „kontrastreiche“ Persönlichkeit in die Sportgeschichte ein, da seine Biografie exemplarisch den persönlichen Konflik mit den jeweils herrschenden gesellschafts-politischen Verhältnissen abbildet und somit die historischen Konturen des 20. Jahrhunderts in besonderer Weise nachzeichnet. So kann man wohl sagen, dass die Person Peltzer in keinem deutschen System richtig ankam bzw. ankommen konnte. Das zeigen die Lebensereignisse zwischen NS-Vergangenheit und KZ Inhaftierung, zwischen Vorzeigesportler und Enttronten, zwischen seinem Exil in Schweden und  dem Ruhm in Indien, welche noch von der Umstrittenheit im Umgang mit ihm bis heute unterstrichen werden.

 

Er selbst berichtet in seinem Buch „Umkämpftes Leben: Sportjahre zwischen Nurmi und Zatopek“, Verlag der Nation, Berlin (Ost), 1955 (Weiter Literatur: Volker Kluge: Otto der Seltsame. Die Einsamkeit eines Mittelstreckenläufers: Otto Peltzer (1900 - 1970), Parthas-Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-932529-74-X und Axel Schock & Karen-Susan Fessel: OUT!, Querverlag, Berlin 2004, ISBN 3-89656-111-1)

 

Quellen:

(1) http://www.tlv-sport.de/der-tlv/geschichte-des-tlv/1918-1945

 

Autor: Christian Uthe

 

Lebensabschnitte und Karriere von Otto Peltzer

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Peltzer)

 

Sportliche Karriere in der Weimarer Republik

 

1925 lief Otto Peltzer in Budapest Weltrekord über 500 m (1:03,6 min), am 3. Juli 1926 Weltrekord über 800 m (1:51,6 min), und am 11. September 1926 besiegte er mit einem Weltrekord über 1500 m (3:51,0 min) den als „Wunderläufer“ bekannten Finnen Paavo Nurmi. Von 1922 bis 1933 war Peltzer 15 Mal Deutscher Meister und verbesserte elfmal einen deutschen Rekord. Der Weimarer Republik verhalf er mit seinen Erfolgen zu Ansehen im internationalen Sport und war so bekannt, dass er einen Werbevertrag mit einer Kaffee-Rösterei erhielt. Seine Eigenheiten, die sich besonders auf der großen Japan-Reise 1929 innerhalb der kleinen Mannschaft unter Leitung von Carl Diem bemerkbar machten, führten dazu, dass sein Mannschaftskollege, der Hürdenläufer Heinrich Troßbach, ihn mit dem Zusatz „Der Seltsame“ bedachte. Seitdem ging diese Bezeichnung als „Otto der Seltsame“ in die Sportgeschichte ein.

Zweimal nahm er an Olympischen Spielen teil. 1928 in Amsterdam erreichte er über 800 m das Halbfinale und schied über 1500 m im Vorlauf aus. 1932 in Los Angeles wurde er über 800 m Neunter und scheiterte über 1500 m erneut in der Vorrunde. In der 4-mal-400-Meter-Staffel kam er mit der deutschen Mannschaft auf den vierten Platz.

Peltzer studierte ab 1920 Rechts- und Staatswissenschaften in Berlin, wo er Mitglied des VDSt Berlin wurde. Die Freie Schulgemeinde Wickersdorf (FSG) holte ihn 1926 in das Thüringer Schiefergebirge, um dort als Pädagoge und Trainer zu wirken. Er trainierte sich und die Schüler der FSG und unterrichtete bis 1933 in den Fächern Biologie, Geschichte, Geografie und Sport.

 

Zeit des Nationalsozialismus

 

Nach der „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten wurde Otto Peltzer wegen seiner Homosexualität unter Druck gesetzt und durfte an keinen Wettkämpfen mehr für Deutschland teilnehmen. 1933 trat er in die NSDAP und SS ein und hoffte auf einen Posten bei der Reichsjugendführung von Baldur von Schirach. Währenddessen arbeitete er als Redakteur bei der Reichswacht um „die Jugend auf die Bedeutung der Rassenhygiene“ hinzuweisen. In seiner Dissertation plädierte er für „die zwangsmäßige Unfruchtbarmachung geistig Minderwertiger und somit Entarteter“. Sie wurde mit summa cum laude bewertet. 1935 wurde er wegen Verstoß gegen den Paragrafen 175 verurteilt und verbrachte einige Jahre in Schweden im Exil. Nach seiner Rückkehr im Jahre 1941 wurde er bis 1945 im KZ Mauthausen inhaftiert.

 

Nachkriegszeit

 

Nach dem Krieg bemühte sich der als Homosexueller gebrandmarkte Peltzer um die Stellen des Leichtathletik-Bundestrainers sowie des Rektors der Sporthochschule Köln, was jeweils vereitelt wurde. 1955 erschien sein biografischer Roman Umkämpftes Leben.

Gebrochen wanderte Otto Peltzer nach Indien aus, wo er sich als Leichtathletik-Nationaltrainer zwischen 1957 und 1967 im Aufbau des Nachwuchssports verdient machte. Von der Öffentlichkeit wenig beachtet, starb er 1970 auf dem Heimweg vom Sportplatz. Erst im Jahre 1998 erinnerte sich der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) wieder an den Rekordläufer und stiftete ihm zu Ehren eine Otto-Peltzer-Medaille. Die Aktion „Stolpersteine“ des Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte im Sommer 2008 eine Gedenktafel aus Messing im Straßenpflaster vor der ehemaligen Wohnung des Sportlers in der Jahnstraße 2 in Berlin-Kreuzberg. Der DLV übernahm die Patenschaft für diese Aktion, die von der Berliner Koordinierungsstelle der Aktion „Stolpersteine“ zusammen mit dem Kreuzbergmuseum organisiert wurde. In einer Feierstunde am 8. August 2008, dem Eröffnungstag der Olympischen Spiele in Peking, zeichneten der Ehrenpräsident des DLV, Theo Rous, und der Kölner Sporthistoriker Thomas Schnitzler das Schicksal des Athleten nach.

 

Bild : Bundesarchiv, Bild 102-05769 / CC-BY-SA



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