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Oßwald, Paul

∗ 4. Februar 1905 in Saalfeld
† 10. November 1993 in Frankfurt am Main

war ein deutscher Fußballspieler und -trainer, der als Trainer von Eintracht Frankfurt im Jahr 1959 die Deutsche Fußballmeisterschaft errang. Im heimischen VfL Saalfeld begann der Jugendspieler Paul Oßwald mit dem Fußballspiel.

 

Paul Oßwald - Ein Deutscher-Meister-Trainer aus der Jugend des VfL 06 

von Christian Uthe

 

Der VfL 06-Nachwuchs ist für seine Leistungsstärke allseits anerkannt. Das die gute Nachwuchsarbeit seit Bestehen des Verein  Tradition besitzt, überliefert die Chronik. Das aus der Saalfelder Kaderschmiede aber auch eine Trainerlegende hervorging, ist bislang eher unbekannt geblieben.

 

Paul Oßwald wurde am 4. Februar 1905 in Saalfeld geboren (2) und begann beim VfL 06 Saalfeld das Fußballspielen. Bei Minerva 93 Berlin spielte er später als Aktiver zumeist auf der Position des rechten Läufers. Als Absolvent der Deutschen Hochschule für Leibesübungen legte er in Berlin die Prüfung zum Sportlehrer ab. (2) „Wahrscheinlich war er der beste und gelehrigste Schüler des einstigen Reichstrainers Prof. Otto Nerz an der Deutschen Sporthochschule in Berlin.“ (1)

 

Oßwald fungierte bereits als 24-jähriger Sportlehrer bei der Frankfurter Eintracht, nicht nur auf dem Fußballsektor. Als 27-jähriger Trainer führte er 1932 die Eintracht in das deutsche Endspiel gegen Bayern München (0:2). (2) Für diese Zeit sind der VfL 06-Chronik Oßwalds Beziehungen zu seiner Heimatstadt entnehmbar. So begaben sich VfL-Mitglieder auf einen Ausflug mit dem Autobus nach Frankfurt zu einem Spiel der Eintracht. Und im Frühjahr 1930 verweilte das Juniorenteam der Frankfurter Eintracht in Saalfeld (2:2). Bis 1938 blieb er in Frankfurt (1). Im Krieg war er Offizier, als er 1946 aus der Gefangenschaft zurückkehrte (3), führte Oßwalds Weg zu den Offenbacher Kickers (1946-58). Fußball-Lehrer, strenge Vaterfigur und absolute Respektsperson, heißt es in der Festschrift „100 Jahre Kickers Offenbach“: Oßwald hievte die Kickers in zwölf unvergesslichen Jahren aus dem Lokalrahmen unter die deutsche Elite (1). „Oßwald verjüngte erstmal die Kickers und stellte sie dann spielmäßig völlig um. Sie mußten ihren früheren kickand-rush-Stil ablegen und ihr inzwischen prächtig ausgereiftes Kombinationsspiel übernehmen.“(3) Über seine Arbeitsweise als Trainer gibt vielleicht eine kleine Episode aus dieser Zeit Aufschluss: „...1948, wenige Wochen vor Beginn der neuen Saison, lud Oswald die "erste Männer" zu sich nach Hause ein. Zu einer zwanglosen Aussprache über das bißchen Leben, diesen so rasant gewordenen Sport und den alten Verein, der sich seit 1901 bemühte, einmal in die vorderste Linie zu kommen. An jenem August-Abend 1948 wurde die Offenbacher Meister-Elf geboren. Fünfzehn Männer (die Elf, drei Ersatzspieler und der Trainer) verschworen sich, es in nochmals zwei Jahren Kleinarbeit zu schaffen. 1949 reichte es zur süddeutschen Meisterschaft.“ (3)

 

1958-1964 trainierte er zum dritten Mal Eintracht Frankfurt: Als er 1959 mit Eintracht Frankfurt das deutsche Endspiel ausgerechnet gegen seine alten „Offenbacher Kickers 5:3 n.V. gewann, man sprach in Berliner Stadion vom „Osswald-Derby“, war ihm endgültig der Titel „Meistermacher vom Main“ (1) gegeben. 1960 führte er mit der Eintracht sogar den ersten deutschen Klub in ein Endspiel des Europacups. Am 18. Mai 1960 verwiesen die zwei Real-Stars Ferenc Puskás und Alfredo Di Stéfano mit vier bzw. drei Treffern das Team von Paul Oßwald in die sportlichen Grenzen: Real Madrid feierte im Hampden Park einen 7:3-Erfolg. (2) "Man sollte Real Madrid einfach den Pokal geben und einen zweiten für die Mannschaft machen, die sich das Recht erkämpft, im Finale von Real gedemütigt zu werden." Dies sagte Paul Oßwald nach dem "Jahrhundertspiel". (4) Zwei Herzinfarkte führten später am 17. April 1964 zum Rücktritt vom Traineramt. (2)

 

„Paul Oßwald war ein Gründlicher, ein Perfektionist: „Stopp, schau, pass“, hallte es oft. Am Kopfballpendel ging es unentwegt zur Sache. Echte Talente waren nirgends besser aufgehoben als bei einem Paul Oßwald.“ (1) In welcher Weise er bei der Betreuung der erfolgreichsten A-Jugendteams in Offenbach auf seine Erfahrung bei der VfL 06-Jugend baute, bleibt leider bislang unbekannt.  Weiter heißt es: Hohen Wert legte er auf Auslandsreisen, Spiele gegen ausländische Klubs: „International lernst du am meisten dazu.“ Zum wirklichen Fußball-Können gibt es folgende These von ihm: „Wenn du einmal schlecht spielst, dazu den Schiedsrichter gegen dich hast und gewinnst trotzdem, dann bist du gut“. Und nach Kriegsende wurde Oßwald sogar als künftiger Bundestrainer gehandelt, „aber der Vorsprung des volkstümlicheren Sepp Herberger war zu groß, fachlich lagen beide gewiss auf einer Höhe.“ (1)

 

In einem Interview zum 50jährigen Jubiläum des deutschen Finales Kickers gegen Eintracht beschreibtder Ehemalige Herrmann Nuber den Trainer Paul Oßwald: "Er war ein toller Lehrer. Er hat die Spieler auch mal an die Hand genommen, hat ihnen im Training gezeigt, was er sich vorstellt. Das sah es schon mal auf dem Spielfeld aus wie auf dem Schachbrett." (5) Und auf die Frage welchen Fußball er bevorzugte, antwortete Nuber "Den einfachen Fußball. Und den haben wir geübt. 3 gegen 1 und 4 gegen 2. Immer wieder. Außerdem ganz gezieltes Training für das Kopfballspiel sowie für den linken und rechten Fuß. So etwas gibt es heute ja nicht mehr. Oßwald hat dir beim schwachen Fuß auch schon mal den Schuh ausgezogen und immer wieder flanken lassen, so lange, bis du das gekonnt hast." (ebd. 5) Und der ehemalige Eintracht-Kicker Dieter Stinka fügte hinzu "Paul Oßwald hat es fertig gebracht, jeden Spieler besser zu machen. Ich selbst wäre 1958 wegen ihm fast nach Offenbach gegangen. Da war schon alles klar. Ich wollte einen guten Trainer und er war der Beste." (ebd. 5)

 

Paul Oßwald war außerdem Mitbegründer und der erste Präsident (1957-63) des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer. Er wurde zum Ehrenvorsitzenden des BDFL ernannt. Der DFB etablierte 1967 eine Vermittlungsstelle für Trainer und Spieler – die Paritätische Vermittlungsstelle des DFB –, um illegalen Spielervermittlern das Handwerk zu legen. Paul Oßwald leitete die Stelle, die im Frankfurter DAG-Haus an der Bockenheimer Landstraße ihren Sitz hatte. Die Paritätische Vermittlungsstelle wurde unterstützt durch den BDFL und durch die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft. (2) Weitere Trainerstationen waren der FSV Mainz 05 und der VfR Frankenthal. (2)

 

Mit Beginn der Saison 1968/1969 übernahm er noch einmal das Traineramt bei Kickers Offenbach, wo er bis heute als bedeutendster Trainer der Vereinsgeschichte zählt. Er stieg aber mit dem OFC bereits nach einer Saison wieder aus der Bundesliga ab. Am 16. November 1969 betreute er das letzte Mal Offenbach in der Regionalliga Süd als Trainer. (2)

 

Am 10. November 1993 verstarb die Frankfurt/Offenbacher-Trainerlegende in der Sachsenhäuser Nachkriegsheimat (Frankfurt am Main). (2)

 

Erfolge (2)

Eintracht Frankfurt

•             Deutscher Meister 1959

•             Europacupfinale 1960

•             Dreimaliger Süddeutscher Meister (1930, 1932, 1959)

•             Finale um die Deutsche Meisterschaft 1932

•             Gauligameister 1938

•             Sechs Teilnahmen an der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft

Kickers Offenbach

•             Zweimal Süddeutscher Meister (1949 und 1955)

•             Finale um die Deutsche Meisterschaft 1950

•             Vier Teilnahmen an der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft

 

 

Quellen:

1) Erich Müller in „100 Jahre Kickers Offenbach“

2)http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_O%C3%9Fwald

3)Spiegel 26/1950: Da kommen die Kickers her (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44448811.html)

4) „Als Benfica die Spanier schockte...“ (FIFA.com) Dienstag 31. Mai 2011

http://de.fifa.com/classicfootball/history/news/newsid=1444592/index.html

5) Zweiter Teil der Serie „50 Jahre deutsches Finale 1959 - Kickers gegen Eintracht“:Große Lobeshymnen auf Trainer Paul Oßwald

http://www.op-online.de/sport/kickers-offenbach/grosse-lobeshymnen-trainer-paul-osswald-380941.html

 

 



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